„In 2025 werden wir unsere Prozesse weiter digitalisieren.“
Solche Sätze begegnen einem heute immer häufiger. Besonders in Geschäftsberichten, Pressemitteilungen, Strategiepapieren oder auf LinkedIn scheint die Formulierung „in 2025“ inzwischen fast selbstverständlich zu sein. Dennoch sorgt sie regelmäßig für Stirnrunzeln. Viele empfinden sie als unnatürlich und auch mir läuft es regelmäßig kalt den Rücken runter. Aber warum eigentlich?
Der Grund ist ganz einfach: Jahreszahlen werden im Deutschen ohne Präposition geschrieben und ein „in“ davor klingt eben ungewöhnlich.
- 2025 wird ein spannendes Jahr.
- Das Unternehmen wurde 1998 gegründet.
- Wir rechnen 2026 mit steigenden Umsätzen.
Ein vorangestelltes „in“ ist nicht nötig. Wer eine etwas ausführlichere Formulierung bevorzugt, kann „im Jahr 2025“ schreiben. Beide Varianten klingen für die meisten Muttersprachler vollkommen selbstverständlich.
Woher kommt das zusätzliche „in“?
Die Antwort liegt nahe: aus dem Englischen. Dort heißt es ganz selbstverständlich „in 2025“ oder „in 2030“. Wer regelmäßig englische Texte liest, internationale Unternehmenskommunikation verfolgt oder aus dem Englischen übersetzt, übernimmt solche Strukturen oft unbewusst. So weit, so normal. Sprachkontakt hat schon immer dazu geführt, dass sich Ausdrucksweisen von einer Sprache auf die andere übertragen.
Interessant ist allerdings, dass „in 2025“ längst nicht mehr nur in hastig übersetzten Texten auftaucht. Die Formulierung findet sich inzwischen auch in deutschen Originaltexten. Besonders in der Unternehmenswelt scheint sie sich festgesetzt zu haben. Dort liest man etwa von Projekten, die „in 2027 abgeschlossen werden sollen“, oder von Zielen, die „in 2030 erreicht sein werden“.
Dennoch gilt: In der Standardsprache ist die Konstruktion bislang nicht etabliert. Wer einen Text für eine Zeitung, einen Verlag oder eine Behörde schreibt, fährt mit „2025“ oder „im Jahr 2025“ nach wie vor besser.
Sprachlich notwendig ist das „in“ ohnehin nicht. Im Gegenteil: Oft wirkt die Formulierung sogar schwerfälliger. Vergleichen wir die beiden Varianten:
„2025 eröffnet das Unternehmen einen neuen Standort.“
„In 2025 eröffnet das Unternehmen einen neuen Standort.“
Der Bedeutungsunterschied ist gleich null. Die zweite Variante enthält aber ein zusätzliches, dazu überflüssiges Wort, das für den Leser zur Stolperfalle wird.
„In 2025“ ist kein Fehler
Gleichzeitig wäre es zu einfach, „in 2025“ pauschal als Fehler abzutun. Sprache verändert sich ständig, und viele heute selbstverständliche Formulierungen galten früher als unerwünscht oder ungewohnt. Ihre Verbreitung zeigt aber, wie stark das Englische inzwischen auf die deutsche Alltagssprache einwirkt. Dazu zählen „ich bin fein damit“, „am Ende des Tages“ oder „ich habe einen Punkt“.
Bis auf Weiteres empfiehlt sich deshalb eine einfache Faustregel: Wer möglichst idiomatisches und unauffälliges Deutsch schreiben möchte, verwendet Jahreszahlen ohne Präposition. Das spart ein Wort und vermeidet Diskussionen.




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