Logo textbauer rote Schrift und Stift

„In 2025“ – falsch, Englisch oder ganz normales Deutsch?

15.07.26 | Rechtschreibung, Schreibtipps

„In 2025 werden wir unsere Prozesse weiter digitalisieren.“

Solche Sätze begegnen einem heute immer häufiger. Besonders in Geschäftsberichten, Pressemitteilungen, Strategiepapieren oder auf LinkedIn scheint die Formulierung „in 2025“ inzwischen fast selbstverständlich zu sein. Dennoch sorgt sie regelmäßig für Stirnrunzeln. Viele empfinden sie als unnatürlich und auch mir läuft es regelmäßig kalt den Rücken runter. Aber warum eigentlich?

Der Grund ist ganz einfach: Jahreszahlen werden im Deutschen ohne Präposition geschrieben und ein „in“ davor klingt eben ungewöhnlich.

  • 2025 wird ein spannendes Jahr.
  • Das Unternehmen wurde 1998 gegründet.
  • Wir rechnen 2026 mit steigenden Umsätzen.

Ein vorangestelltes „in“ ist nicht nötig. Wer eine etwas ausführlichere Formulierung bevorzugt, kann „im Jahr 2025“ schreiben. Beide Varianten klingen für die meisten Muttersprachler vollkommen selbstverständlich.

Woher kommt das zusätzliche „in“?

Die Antwort liegt nahe: aus dem Englischen. Dort heißt es ganz selbstverständlich „in 2025“ oder „in 2030“. Wer regelmäßig englische Texte liest, internationale Unternehmenskommunikation verfolgt oder aus dem Englischen übersetzt, übernimmt solche Strukturen oft unbewusst. So weit, so normal. Sprachkontakt hat schon immer dazu geführt, dass sich Ausdrucksweisen von einer Sprache auf die andere übertragen.

Interessant ist allerdings, dass „in 2025“ längst nicht mehr nur in hastig übersetzten Texten auftaucht. Die Formulierung findet sich inzwischen auch in deutschen Originaltexten. Besonders in der Unternehmenswelt scheint sie sich festgesetzt zu haben. Dort liest man etwa von Projekten, die „in 2027 abgeschlossen werden sollen“, oder von Zielen, die „in 2030 erreicht sein werden“.

Dennoch gilt: In der Standardsprache ist die Konstruktion bislang nicht etabliert. Wer einen Text für eine Zeitung, einen Verlag oder eine Behörde schreibt, fährt mit „2025“ oder „im Jahr 2025“ nach wie vor besser.

Sprachlich notwendig ist das „in“ ohnehin nicht. Im Gegenteil: Oft wirkt die Formulierung sogar schwerfälliger. Vergleichen wir die beiden Varianten:

„2025 eröffnet das Unternehmen einen neuen Standort.“

„In 2025 eröffnet das Unternehmen einen neuen Standort.“

Der Bedeutungsunterschied ist gleich null. Die zweite Variante enthält aber ein zusätzliches, dazu überflüssiges Wort, das für den Leser zur Stolperfalle wird.

„In 2025“ ist kein Fehler

Gleichzeitig wäre es zu einfach, „in 2025“ pauschal als Fehler abzutun. Sprache verändert sich ständig, und viele heute selbstverständliche Formulierungen galten früher als unerwünscht oder ungewohnt. Ihre Verbreitung zeigt aber, wie stark das Englische inzwischen auf die deutsche Alltagssprache einwirkt. Dazu zählen „ich bin fein damit“, „am Ende des Tages“ oder „ich habe einen Punkt“.

Bis auf Weiteres empfiehlt sich deshalb eine einfache Faustregel: Wer möglichst idiomatisches und unauffälliges Deutsch schreiben möchte, verwendet Jahreszahlen ohne Präposition. Das spart ein Wort und vermeidet Diskussionen.

Sie haben eine konkrete Frage – oder ein größeres Textprojekt?

Einzelne Zweifelsfälle lassen sich oft in wenigen Minuten klären.
Wenn es um mehr geht – Struktur, Stil, Stringenz oder eine gründliche Schlussredaktion –, begleite ich Sie auch bei umfangreicheren Texten.

In meiner Online-Sprechstunde besprechen wir Ihr Anliegen direkt und konkret.

Sie gelangen direkt zur Buchungsseite.

Alternativ: Schreiben Sie mir eine kurze Nachricht mit ein paar Angaben zu Ihrem Projekt.

Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

Warum eine Schlussredaktion trotz Korrektorat sinnvoll ist

Die Schlussredaktion prüft Typografie, Umbrüche und Verweise. Warum sie nach dem Korrektorat unverzichtbar ist.

Die seltsame Liebe zur Behördensprache

Behördensprache klingt oft wichtig, ist aber meist nur umständlich. Warum klare Sprache fast immer besser wirkt.

Adjektive streichen (bis auf die wichtigen)!

Zu viele Adjektive machen Texte nicht stärker, sondern oft schwächer. Warum weniger oft mehr ist – mit Beispielen aus dem Lektoratsalltag.

Show, don’t tell – aber in Maßen

Show, don’t tell einfach erklärt: Mit Beispielen, typischen Fehlern und Tipps, wann die Regel sinnvoll ist – und wann nicht.

Das Prozentzeichen richtig anwenden

Prozentzeichen richtig anwenden: Regeln zur Schreibweise, zum Leerzeichen im Fließtext und zu typischen Fehlern einfach erklärt.

Der Apostroph

Wann braucht man im Deutschen einen Apostroph – und wann ganz sicher nicht? Mit vielen Beispielen, typografischen Tipps und typischen Fehlern einfach erklärt.

Das Leerzeichen

Doppelte und fehlende Leerzeichen: Dieser Beitrag zeigt, wie du typische Leerzeichenfehler erkennst und professionell vermeidest.

Die vergessene Zeitform: Die Vorvergangenheit

Plusquamperfekt leicht verständlich: So bildest und benutzt du die Vorvergangenheit korrekt – mit Beispielen und Praxistipps.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Einmal im Monat ein genauer Blick auf Sprache

Mein Newsletter.

Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen: Texte, typische Fehler, Fundstücke – und meinen Alltag als Lektor.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen. Bitte bestätigen Sie die Mail-Adresse (ggf. bitte im Spam-Ordner nachschauen).