Der Gedankenstrich ist ein vielseitiges Satzzeichen. Er kann einen Nachtrag ankündigen, einen Gedanken hervorheben oder einen Einschub markieren. Doch gerade bei Einschüben sorgt er immer wieder für Unsicherheit: Steht hinter dem Gedankenstrich ein Komma?
Die kurze Antwort lautet: manchmal ja, manchmal nein.
Schauen wir uns das genauer an.
Gedankenstriche ersetzen die Kommas
Wird ein Einschub durch Kommas abgegrenzt, können stattdessen auch Gedankenstriche verwendet werden.
Mit Kommas:
Die Katze, die den ganzen Tag geschlafen hatte, war plötzlich hellwach.
Mit Gedankenstrichen:
Die Katze – die den ganzen Tag geschlafen hatte – war plötzlich hellwach.
Die Kommas verschwinden, weil die Gedankenstriche bereits zeigen, wo der Einschub beginnt und endet.
Warum manchmal trotzdem ein Komma folgt
Komplizierter wird es, wenn der übergeordnete Satz, also der Satz außerhalb des Einschubs, an dieser Stelle ein Komma verlangt. Dann bleibt dieses Komma erhalten – auch wenn unmittelbar davor bereits ein Gedankenstrich steht.
Beispiel:
Wer möchte – und das werden vermutlich viele sein –, kann sich noch anmelden.
Auf den ersten Blick sieht die Kombination aus Gedankenstrich und Komma ungewöhnlich aus, sie ist aber korrekt. Das Komma gehört nicht zum Einschub, sondern zum Hauptsatz.
Dasselbe gilt hier:
Wenn das Wetter mitspielt – und danach sieht es derzeit aus –, fahren wir morgen ans Meer.
Die Einschubprobe
Im Zweifel hilft eine einfache Methode: Entferne den Einschub vollständig.
Aus
Wer möchte – und das werden vermutlich viele sein –, kann sich noch anmelden.
wird:
Wer möchte, kann sich noch anmelden.
Das Komma bleibt bestehen. Also muss es auch nach dem zweiten Gedankenstrich stehen.
Ein weiteres Beispiel:
Wenn das Wetter mitspielt – und danach sieht es derzeit aus –, fahren wir morgen ans Meer.
Ohne Einschub:
Wenn das Wetter mitspielt, fahren wir morgen ans Meer.
Auch hier ist das Komma notwendig.
Wann kein Komma folgt
Ebenso leicht lässt sich prüfen, wann kein Komma gesetzt wird.
Die Katze – die den ganzen Tag geschlafen hatte – war plötzlich hellwach.
Ohne Einschub:
Die Katze war plötzlich hellwach.
Hier steht kein Komma, deshalb folgt nach dem Gedankenstrich ebenfalls keines.
Der häufigste Irrtum
Viele Schreibende gehen davon aus, dass der zweite Gedankenstrich grundsätzlich das Komma ersetzt. Das stimmt aber nur teilweise. Er ersetzt lediglich die Satzzeichen, die den Einschub begrenzen. Satzzeichen, die der umgebende Satz verlangt, bleiben erhalten.
Fazit
Ob nach einem Gedankenstrich ein Komma stehen muss, entscheidet nicht der Gedankenstrich selbst, sondern der Satzbau. Entferne den Einschub probeweise aus dem Satz. Benötigt der verbleibende Satz ein Komma, bleibt dieses auch nach dem Gedankenstrich erhalten. Benötigt er keines, entfällt es.
Zum paarigen Gedankenstrich kannst du übrigens hier mehr lesen.




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