Wind und Wetter. Mit Kind und Kegel. Haus und Hof.
Solche Wortverbindungen begegnen uns ständig und oft nehmen wir sie gar nicht bewusst wahr. Dabei steckt hinter ihnen ein einfaches und wunderschönes Stilmittel: die Alliteration.
Das Prinzip ist denkbar einfach. Bei einer Alliteration beginnen mehrere aufeinanderfolgende Wörter mit demselben Laut. Diese Wiederholung macht die Formulierung eingängig und leicht merkbar.
Was ist eine Alliteration?
Eine Alliteration liegt vor, wenn die betonten Anfangslaute mehrerer Wörter übereinstimmen.
Bekannte Beispiele sind:
- Milch macht müde Männer munter
- Fischers Fritze fischt frische Fische
- Spiel, Spaß und Spannung
- Klipp und klar
Wichtig ist dabei der Laut, nicht unbedingt der Buchstabe. So bilden „Chemie“ und „Chor“ trotz derselben Anfangsbuchstaben keine Alliteration, da sie unterschiedlich ausgesprochen werden.
Warum mögen wir Alliterationen?
Alliterationen haben einen besonderen Klang. Sie erzeugen Rhythmus und verleihen einer Aussage Struktur und sie bleiben besser im Gedächtnis.
Das macht sich die Werbung seit Langem zunutze. Namen wie Coca-Cola, PayPal oder BlackBerry sind nicht zuletzt deshalb so einprägsam, weil die Wörter mit demselben Laut beginnen.
Auch in Überschriften werden Alliterationen gern eingesetzt. Eine Formulierung wie „Tipps und Tricks“ wirkt griffiger als „Hinweise und Empfehlungen“, obwohl beide inhaltlich Ähnliches ausdrücken.
Eine Meisterin der Alliterationen war Dr. Erika Fuchs, die geniale Übersetzerin von zahlreichen Donald-Duck-Geschichten. Wer sonst außer ihr käme auf diesen Satz: „Er besitzt alle Manuskripte von Mildred Moll über den Mythos von Myrtenkränzen“?

Unser Gehirn liebt Muster. Die Wiederholung eines Lautes schafft ein solches Muster und erleichtert damit das Erinnern.
Stilmittel mit langer Geschichte
Alliterationen sind keine moderne Erfindung, sie wurden schon lange verwendet, bevor sich Reime durchgesetzt haben.
In der altgermanischen Dichtung spielte der sogenannte Stabreim eine zentrale Rolle. Dabei wurden Verse durch gleiche Anfangslaute verbunden. Endreime, wie wir sie heute aus Gedichten kennen, waren damals noch weitgehend unbekannt.
Ein Beispiel aus dem Hildebrandslied aus dem 9. Jahrhundert::
hiltibrant enti haðubrant, untar heriun tuem
Hildebrand und Hadubrand, zwischen Heeren zweien
Die Alliteration gehört also zu den ältesten Stilmitteln überhaupt. Sie hat Jahrhunderte überdauert und ist bis heute lebendig geblieben.
Wann wird es zu viel des Guten?
Wie bei vielen Stilmitteln gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift.
Eine einzelne Alliteration kann einen Satz aufwerten. Häufen sich die Lautwiederholungen jedoch, wirkt ein Text schnell gekünstelt.
Besonders in Werbe- und Marketingtexten stößt man auf Formulierungen wie:
- kreative Kommunikationskonzepte
- maßgeschneiderte Marketingmaßnahmen
- professionelle Produktpräsentationen
Solche Wortkombinationen sollen einprägsam wirken, oft hinterlassen sie jedoch eher den Eindruck, dass jemand besonders clever formulieren wollte.
Wer Alliterationen gezielt einsetzt, erzielt meist die größere Wirkung, als sie in jedem zweiten Satz unterzubringen.
Fazit
Alliterationen begegnen uns täglich – in Redewendungen, Schlagzeilen, Markennamen und Werbeslogans. Sie sorgen für Rhythmus, machen Aussagen einprägsamer und verleihen Sprache einen besonderen Klang.
Deshalb haben sie sich auch über Jahrhunderte gehalten.
Wer Texte schreibt, kann dieses Stilmittel bewusst einsetzen. Allerdings gilt auch hier: Weniger ist oft mehr. Eine treffende Alliteration bleibt im Gedächtnis, zu viele hintereinander wirken schnell bemüht.
Oder um es mit einer Alliteration zu sagen: Die richtige Mischung macht den Meister.




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