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Warum eine Schlussredaktion trotz Korrektorat sinnvoll ist

07.06.26 | Schreibtipps

„Ich empfehle noch eine Schlussredaktion“, ist mein häufiger Rat. Die Antwort fällt oft ausweichend aus oder ich höre diesen Satz:

„Der Text ist doch bereits korrigiert. Warum braucht es zusätzlich eine Schlussredaktion?“

Schließlich wurden Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung bereits geprüft. Was soll da schon schiefgehen?

Leider eine ganze Menge.

Neue Fehler

Ein Korrektorat findet meist statt, bevor ein Text endgültig gesetzt wird. Danach wandert er in InDesign oder ein anderes Layoutprogramm. Dort werden Bilder eingefügt, Überschriften angepasst, Tabellen verschoben und Umbrüche verändert. Und dabei entstehen oft neue Fehler.

Ein typisches Beispiel sind Silbentrennungen. Eine Korrektorin prüft einen Text sorgfältig in Word. Im fertigen Layout sieht derselbe Absatz plötzlich ganz anders aus: Zeilen brechen an anderen Stellen um, neue Trennungen erscheinen. Manche sind unschön („Textver-ständnis“), manche sogar missverständlich (nicht nur beim Paradebeispiel „Urin-stinkt“).

Viele potenzielle Fehlerquellen

Auch Korrekturen selbst können Probleme verursachen. Wird ein Wort ergänzt oder gestrichen, verschiebt sich der gesamte Textfluss. Aus zwei Zeilen werden drei, eine Überschrift rutscht auf die nächste Seite oder ein Bild steht plötzlich an der falschen Stelle.

Dazu kommen typische Satzfehler, die in der Textdatei noch gar nicht sichtbar waren: zu große Wortabstände, unschöne Umbrüche, Hurenkinder und Schusterjungen, verrutschte Bildunterschriften oder uneinheitliche Hervorhebungen.

Besonders tückisch wird es, wenn kurz vor Druckschluss noch Änderungen eingearbeitet werden. Ein Datum wird aktualisiert, eine Zahl korrigiert oder ein Absatz ergänzt. Solche vermeintlich kleinen Eingriffe können an anderer Stelle unerwartete Folgen haben. Wer nur die geänderte Stelle betrachtet, übersieht leicht neue Fehler im Umfeld.

Schlussredaktion: letzte Prüfung

Genau hier setzt die Schlussredaktion an. Sie ist die letzte Qualitätskontrolle vor Veröffentlichung oder Druck. Geprüft werden neben Rechtschreibung Typografie, Umbrüche, Bildunterschriften, Seitenzahlen, Verweise und die allgemeine Konsistenz des Dokuments.

Auf den Punkt gebracht: Das Korrektorat sorgt dafür, dass der Text stimmt, und die Schlussredaktion sorgt dafür, dass das fertige Produkt stimmt.

Das ist ein wichtiger Unterschied, denn Leserinnen und Leser sehen später nicht die sorgfältig korrigierte Word-Datei, sondern die Broschüre, das Magazin oder das Buch in seiner endgültigen Form.

Genau deshalb lohnt sich der letzte prüfende Blick.

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Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

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