Logo textbauer rote Schrift und Stift

Adjektive streichen (bis auf die wichtigen)!

12.05.26 | Schreibtipps

Manchmal merkt man es sofort. Ein Text liest sich schwerfällig, aufgebläht, anstrengend. Oft liegt es nicht am Inhalt, sondern an den vielen kleinen Wörtern dazwischen: den Adjektiven.

Ein Beispiel:

„Das ist ein spannender, beeindruckender und extrem relevanter Beitrag.“

Das ist an sich eine große Lobhudelei. Genauer betrachtet sagt der Satz aber trotz seiner vielen Wörter sehr wenig aus. Wie ich schon so oft hier geschrieben habe: Weniger ist mehr!

Was Adjektive eigentlich leisten sollen

Adjektive helfen, Dinge genauer zu beschreiben. Aus einem „Text“ wird ein „kurzer Text“, aus einer „Lösung“ eine „einfache Lösung“. Diese Zusätze sind sinnvoll, da die zusätzliche Information einen Mehrwert bringt.

Schwierig wird es, wenn Adjektive nur verstärken sollen: uralte Burg, schwerreicher Millionär. Dann entsteht kein klareres Bild, sondern ein diffuser Eindruck. Der Text wirkt wichtiger, als er ist – zumindest versucht er es.

Warum weniger oft mehr ist

Viele Autoren nutzen Adjektive, weil sie unsicher sind. Sie wollen betonen, absichern, überzeugen. Also wird aus einer Niederlage eine „bittere Niederlage“, aus einem Chaos ein „totales Chaos“, aus einer Überraschung eine „große Überraschung“ und aus einem Ergebnis ein „endgültiges Ergebnis“. Das Problem bei allen diesen Beispielen: Die Adjektive verstärken den Satz nicht, sie verwässern ihn. Der Leser spürt, dass der Autor seiner eigenen Stimme nicht vertraut und alle Begriffe dick und fett unterstreichen muss.

Doch Leserinnen und Leser glauben keinen Verstärkern. Sie vertrauen Beispielen und klar formulierten Inhalten.

Statt:
„ein hilfreicher Leitfaden“

schreibe besser:
„ein Leitfaden mit fünf konkreten Schritten“.

Das zweite Beispiel wirkt, weil es greifbar ist. Das erste bleibt hingegen vage und austauschbar.

Wie du Adjektive überprüfst

Stelle dir eine einfache Frage: Brauche ich dieses Wort wirklich?

Wenn du ein Adjektiv streichst und der Satz bleibt verständlich, war es wahrscheinlich überflüssig. Wenn sich nichts am Inhalt ändert, sondern nur der Ton „weniger begeistert“ wirkt, ist das oft ein gutes Zeichen.

Noch ein Test: Kannst du das Adjektiv durch ein Beispiel ersetzen?

„ein beeindruckendes Ergebnis“
→ Wodurch beeindruckend?

Wenn du darauf keine Antwort hast, ist das Adjektiv überflüssig.

Und schließlich: Nimm dir einen Text von zwei Seiten Länge und streiche alle Adjektive, die du findest. Und schau danach, welche du wirklich vermisst.

Was im Lektorat auffällt

Ich streiche in Texten natürlich nicht alle Adjektive. Aber ich streiche viele, nämlich die, die nichts beitragen. Übrig bleiben die, die wirklich etwas erklären.

Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Der Text wird klarer und überzeugender.

Fazit

Adjektive an sich sind kein Problem, sie können einen Text präzisieren und auflockern. Zu viele können aber schnell zu einem Problem werden.
Gute Texterinnen setzen sie gezielt ein und vertrauen darauf, dass ihr Inhalt mehr überzeugt als seine Verstärkung.

Sie haben eine konkrete Frage – oder ein größeres Textprojekt?

Einzelne Zweifelsfälle lassen sich oft in wenigen Minuten klären.
Wenn es um mehr geht – Struktur, Stil, Stringenz oder eine gründliche Schlussredaktion –, begleite ich Sie auch bei umfangreicheren Texten.

In meiner Online-Sprechstunde besprechen wir Ihr Anliegen direkt und konkret.

Sie gelangen direkt zur Buchungsseite.

Alternativ: Schreiben Sie mir eine kurze Nachricht mit ein paar Angaben zu Ihrem Projekt.

Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

Warum eine Schlussredaktion trotz Korrektorat sinnvoll ist

Die Schlussredaktion prüft Typografie, Umbrüche und Verweise. Warum sie nach dem Korrektorat unverzichtbar ist.

Die seltsame Liebe zur Behördensprache

Behördensprache klingt oft wichtig, ist aber meist nur umständlich. Warum klare Sprache fast immer besser wirkt.

Show, don’t tell – aber in Maßen

Show, don’t tell einfach erklärt: Mit Beispielen, typischen Fehlern und Tipps, wann die Regel sinnvoll ist – und wann nicht.

Parataxe oder Hypotaxe?

Parataxe oder Hypotaxe? Erfahre den Unterschied zwischen kurzen und verschachtelten Sätzen – mit Beispielen und Tipps für bessere Texte.

Die Hyperbel als Stilmittel

Die Hyperbel als Stilmittel: Definition, Wirkung und Beispiele. Erfahre, wie bewusste Übertreibung Texte lebendiger macht.

Kunst des Weglassens: Die Ellipse

Ellipse einfach erklärt: Bedeutung, Beispiele und Wirkung des stilistischen Mittels der Satzverkürzung in der deutschen Sprache.

Oha! – Interjektionen

Interjektionen wie Aua, Huch oder Wow bringen Gefühle auf den Punkt. Erfahre, wie diese kleinen Ausrufe Sprache lebendig machen.

Die vergessene Zeitform: Die Vorvergangenheit

Plusquamperfekt leicht verständlich: So bildest und benutzt du die Vorvergangenheit korrekt – mit Beispielen und Praxistipps.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Einmal im Monat ein genauer Blick auf Sprache

Mein Newsletter.

Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen: Texte, typische Fehler – und meinen Alltag als Lektor.

Du hast dich erfolgreich eingetragen. Du erhältst eine Bestätigungs-Mail (ggf. im Spam nachschauen)!