Manchmal merkt man es sofort. Ein Text liest sich schwerfällig, aufgebläht, anstrengend. Oft liegt es nicht am Inhalt, sondern an den vielen kleinen Wörtern dazwischen: den Adjektiven.
Ein Beispiel:
„Das ist ein spannender, beeindruckender und extrem relevanter Beitrag.“
Das ist an sich eine große Lobhudelei. Genauer betrachtet sagt der Satz aber trotz seiner vielen Wörter sehr wenig aus. Wie ich schon so oft hier geschrieben habe: Weniger ist mehr!
Was Adjektive eigentlich leisten sollen
Adjektive helfen, Dinge genauer zu beschreiben. Aus einem „Text“ wird ein „kurzer Text“, aus einer „Lösung“ eine „einfache Lösung“. Diese Zusätze sind sinnvoll, da die zusätzliche Information einen Mehrwert bringt.
Schwierig wird es, wenn Adjektive nur verstärken sollen: uralte Burg, schwerreicher Millionär. Dann entsteht kein klareres Bild, sondern ein diffuser Eindruck. Der Text wirkt wichtiger, als er ist – zumindest versucht er es.
Warum weniger oft mehr ist
Viele Autoren nutzen Adjektive, weil sie unsicher sind. Sie wollen betonen, absichern, überzeugen. Also wird aus einer Niederlage eine „bittere Niederlage“, aus einem Chaos ein „totales Chaos“, aus einer Überraschung eine „große Überraschung“ und aus einem Ergebnis ein „endgültiges Ergebnis“. Das Problem bei allen diesen Beispielen: Die Adjektive verstärken den Satz nicht, sie verwässern ihn. Der Leser spürt, dass der Autor seiner eigenen Stimme nicht vertraut und alle Begriffe dick und fett unterstreichen muss.
Doch Leserinnen und Leser glauben keinen Verstärkern. Sie vertrauen Beispielen und klar formulierten Inhalten.
Statt:
„ein hilfreicher Leitfaden“
schreibe besser:
„ein Leitfaden mit fünf konkreten Schritten“.
Das zweite Beispiel wirkt, weil es greifbar ist. Das erste bleibt hingegen vage und austauschbar.
Wie du Adjektive überprüfst
Stelle dir eine einfache Frage: Brauche ich dieses Wort wirklich?
Wenn du ein Adjektiv streichst und der Satz bleibt verständlich, war es wahrscheinlich überflüssig. Wenn sich nichts am Inhalt ändert, sondern nur der Ton „weniger begeistert“ wirkt, ist das oft ein gutes Zeichen.
Noch ein Test: Kannst du das Adjektiv durch ein Beispiel ersetzen?
„ein beeindruckendes Ergebnis“
→ Wodurch beeindruckend?
Wenn du darauf keine Antwort hast, ist das Adjektiv überflüssig.
Und schließlich: Nimm dir einen Text von zwei Seiten Länge und streiche alle Adjektive, die du findest. Und schau danach, welche du wirklich vermisst.
Was im Lektorat auffällt
Ich streiche in Texten natürlich nicht alle Adjektive. Aber ich streiche viele, nämlich die, die nichts beitragen. Übrig bleiben die, die wirklich etwas erklären.
Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Der Text wird klarer und überzeugender.
Fazit
Adjektive an sich sind kein Problem, sie können einen Text präzisieren und auflockern. Zu viele können aber schnell zu einem Problem werden.
Gute Texterinnen setzen sie gezielt ein und vertrauen darauf, dass ihr Inhalt mehr überzeugt als seine Verstärkung.




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