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Show, don’t tell – aber in Maßen

21.04.26 | Schreibtipps

„Show, don’t tell“ ist wahrscheinlich eine der häufigsten Anmerkungen von Lektorinnen und Lektoren. Ich benutze sie gar nicht so oft, und das hat Gründe.

1. Er war wütend.
2. Er knallte die Tür so laut zu, dass die Gläser im Schrank klirrten.

Beide Sätze transportieren dieselbe Information: Ein Mann ist wütend. Der erste Satz stellt die Behauptung auf. Beim zweiten wird die Folge beschrieben, die Leserin reimt sich zusammen, dass der Protagonist wütend ist. So weit, so gut.

Und trotzdem: Der Ratschlag „show, don’t tell“ wird erstaunlich oft missverstanden.

Was mit „zeigen“ gemeint ist

„Tell“ ist die Kurzform: benennen, einordnen, fertig.
„Show“ ist der Umweg: Handlung, Bild, Detail.

Das funktioniert gut, wenn etwas erlebbar werden soll. Gefühle, Stimmungen, Konflikte – all das lässt sich zeigen. Und wenn es gut gemacht ist, entsteht ein Sog. Die Leserinnen und Leser ziehen ihre Schlüsse selbst.

Nur leider bleibt es selten bei „gut gemacht“.

Nicht zu viel „show“!

In vielen Texten kippt das Prinzip. Dann wird nicht mehr gezeigt, sondern ausgestellt. Jeder Zustand bekommt eine kleine Szene und jedes Gefühl eine Mini-Inszenierung.

Aus „Er war nervös“ werden schnell drei Sätze: Die Hände zittern, der Blick schweift, der Atem stockt. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Denn oft bremst es den Text aus.

Manchmal bedeutet show einfach nur mehr Worte für dieselbe Aussage.

Warum „tell“ oft die bessere Wahl ist

„Er war müde.“
Das ist eine klare Aussage und ein funktionierender Satz.

Nicht jede Information muss bis ins Detail ausgewalzt werden. Wer alles zeigt, verliert Tempo. Wer alles ausmalt, nimmt dem Text die Luft zur Entfaltung. In vielen erzählenden Passagen ist Klarheit wichtiger als Wirkung.

„Tell“ hat also seinen Platz. Es ist ein Werkzeug für Tempo und Übersicht.

Was im Lektorat auffällt

Ich sehe oft Texte, die krampfhaft „zeigen“ wollen. Da wird jedes Detail zwanghaft blumig beschrieben, bis nichts mehr übrigbleibt, was der Leser selbst entdecken könnte.

Und ich sehe oft das genaue Gegenteil: Texte, die nur behaupten. Alles ist „spannend“, „relevant“, „beeindruckend“. Und dabei wird der Text langweilig, irrelevant und der Leser hat ihn ratzfatz vergessen.

Interessant wird es dazwischen. Wenn ein Text weiß, wann er „zeigen“ muss und wann ein klarer Satz reicht.

Fazit: Gespür ist gefragt

„Show, don’t tell“ ist kein Dogma. Es ist ein Hinweis und nicht mehr.

Gute Texter wechseln zwischen show und tell. Sie „zeigen“, wenn es darauf ankommt. Und sie „sagen“, wenn es schnell gehen soll und Tempo gefragt ist.

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Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

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1 Kommentar

  1. Volker Edwin Reuss

    Völlig richtig. Ich bin auch einer von denen, die zu viel sagen- der KI fixt es- und nachher fehlt irgendwas-

    Antworten

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