Weiter geht es mit meiner kleinen Reihe von Stilmitteln, heute widme ich diesen Beitrag der Hyperbel.
„Ich bin fix und fertig.“
„Das dauert eine Ewigkeit.“
„Hier ist die Hölle los.“
Solche Sätze sind offensichtlich übertrieben und trotzdem für jedermann verständlich. Es handelt sich jeweils um Hyperbeln.
Was ist eine Hyperbel?
Eine Hyperbel ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem eine Aussage bewusst übersteigert wird, um etwas besonders eindringlich, emotional oder anschaulich darzustellen. Die Übertreibung ist nicht wörtlich gemeint, sondern dient der Verstärkung.
Typische Beispiele:
Ich habe hundert E-Mails bekommen.
Das kostet ein Vermögen.
Ich warte hier schon seit Stunden.
Er hat tonnenweise Arbeit.
Niemand rechnet nach, wenn er diese Aussagen hört. Die Wirkung entsteht gerade dadurch, dass die Übertreibung sofort erkannt wird.
Wortherkunft
Der Begriff Hyperbel stammt aus dem Griechischen hyperbállein (ὑπερβάλλειν) und bedeutet so viel wie „über das Ziel hinauswerfen“. Treffender kann man dieses Stilmittel kaum beschreiben: Die Aussage geht absichtlich weiter, als es sachlich korrekt wäre.
Warum wir Hyperbeln ständig nutzen
Hyperbeln sind alltagstauglich. Sie:
- verdichten komplexe Gefühle,
- sparen Erklärungen,
- machen Sprache lebendiger.
Viele Hyperbeln sind so geläufig, dass wir sie kaum noch als Stilmittel wahrnehmen. Wer „einen Berg von Arbeit“ hat, braucht keine Bergsteigerausrüstung, jedermann versteht die Bedeutung des Begriffs.
Abgrenzung zu ähnlichen Stilmitteln
- Metapher: arbeitet mit bildhaftem Bedeutungsübertrag
ein Herz aus Stein
- Ironie: meint oft das gegenteil vom Gesagten
Das hast du ja großartig gemacht.
- Litotes: Untertreibung durch Verneinung
nicht ganz unproblematisch
Die Hyperbel hingegen übertreibt direkt und offen.
Wann Hyperbeln problematisch sind
In Textsorten, die Präzision verlangen – etwa in wissenschaftlichen, juristischen oder journalistischen Sachtexten –, wirken Hyperbeln unscharf oder manipulativ. Hier solltest du auf sie tunlichst verzichten
Im kreativen Schreiben oder in der Alltagssprache gilt dagegen: Übertreibungen sind erlaubt, solange sie erkennbar bleiben.
Oder anders gesagt:
Wie jedes starke Stilmittel verlangt auch die Hyperbel Maß. Erst dann entfaltet sie ihre Wirkung.





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