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Das Leerzeichen

26.12.25 | Rechtschreibung

Es gibt ein Zeichen auf deiner Tastatur, das so viele Fehler verursacht wie so gut wie kein anderes. Dabei siehst du es nicht einmal im Text. Allerdings belegt es die mit Abstand größte Taste: das Leerzeichen.

Ich nenne das Zeichen hier konsequent Leerzeichen, auch wenn es eine Vielzahl anderer Begriffe gibt: Leerschritt, Zwischenraum, Spatium, Abstand, Freiraum …

Es gibt verschiedene Fehler-Typen, die das Leerzeichen verursacht, aber der Reihe nach:

Das überflüssige Leerzeichen

Sobald der Autor zweimal auf die Leertaste tippt, produziert er einen Fehler. Überflüssige Leerzeichen sind für das Schriftbild störend, weil sie zu große Lücken zwischen einzelnen Wörtern erzeugen. Warum sie manchmal so gehäuft vorkommen, ist mir oft ein Rätsel. Nicht selten sind es sogar drei oder noch mehr Leerzeichen hintereinander. Defekte Tastatur? Heftiges Zittern? Keine Ahnung.

Die überflüssigen Leerzeichen sind aber schnell zu finden: Einfach in die Suche deines Schreibprogramms zwei Leerzeichen eingeben und schon hast du eine übersichtliche Liste.

Zudem kannst du die Leerzeichen auch optisch erkennen, indem du die Absatzformatmarken einblendest. Das Leerzeichen wird durch den Mediopunkt (·) dargestellt.

Zu viele, und zwar viel zu viele Leerzeichen setzen gerne Autoren, die sich mit ihrem Textverarbeitungsprogramm nicht auskennen. Um die Überschrift in die Mitte zu rücken oder den Zeilenanfang nach rechts, rücken sie alles Pi mal Daumen einfach per Leerzeichen nach rechts. Für das spätere Schriftbild ein Graus! Mit ein paar Einstellungen (Absatzformate, Text zentrieren) lässt sich alles sauber formatieren. Das Leerzeichen ist kein Layoutwerkzeug!

Ob ein Leerzeichen vor einen Dreipunkt gesetzt werden muss, hängt davon ab, was der Dreipunkt symbolisiert: ein fehlendes Wort (oder mehrere Wörter) oder nur fehlende Buchstaben eines Wortes.

Bei dem ersten Beispiel muss ein Leerzeichen vor dem Dreipunkt gesetzt werden:

Das war ein tolles … Dings.

Bei dem zweiten Beispiel aber fehlt das Leerzeichen, da das Wort ja eigentlich weitergeht:

Shakespeare benutze das Wort Honorificabilitudi…

Das fehlende Leerzeichen

Ähnlich oft muss ich auch fehlende Leerzeichen korrigieren. So gehören Leerzeichen zwischen Abkürzungen, die aus mehreren Buchstaben bestehen und mehrere Wörter abkürzen.

Zum Beispiel –> z. B.

Das heißt –> d. h.

Mit weiteren Nachweisen –> m. w. N.

Für einzelne Wörter, die abgekürzt werden, gilt das natürlich nicht:

Abkürzung –> Abk.

Bundesverfassungsgericht –> BverfG

Gegebenenfalls –> ggf.

Eine Ausnahme bildet übrigens die Abkürzung von „und so weiter“, das ohne Punkte oder Leerzeichen einfach mit „usw.“ abgekürzt wird. Das „usw.“ wird heute als lexikalische Einheit aufgefasst, es ist schneller zu lesen und damit so anerkannt, wie es ist.

Ebenso müssen Leerzeichen gesetzt werden zwischen Ziffern und Maßeinheiten:

35 €

17 km

37 °C

Und auch vor dem Prozentzeichen muss ein Leerzeichen stehen:

12 %

Warum? Es ist ganz einfach und auch logisch: Es sind zwei verschiedene Dinge, die dort stehen, die ausgeschrieben getrennt sind und daher auch abgekürzt getrennt werden müssen:

Fünfunddreißig Euro

Siebzehn Kilometer

Siebenunddreißig Grad

Siebzehn Prozent

Weitere Fälle, in denen ein Leerzeichen zwingend notwendig ist:

Seitenangaben –> S. 12

Fortführend –> S. 12 ff.

Vor und nach Gedankenstrichen (Halbgeviertstrich) –> Er ging – ohne nachzudenken – über die Straße.

(Ausnahme: Manchmal folgt nach dem 2. Halbgeviertstrich ein Komma, das ohne Leerzeichen gesetzt wird: Er ging – ohne nachzudenken –, um nicht zu spät zu kommen.)

Das geschützte Leerzeichen

Wichtig: Nutze bei den oben genannten Fällen (außer beim Gedankenstrich) immer das geschützte Leerzeichen. So kannst du sicher sein, dass Zahl und Maßeinheit auf einer Zeile stehen, ebenso zusammengehörende Buchstaben bei Abkürzungen. Gedruckt sieht das sonst wirklich schlimm aus.

Das geschützte Leerzeichen erhältst du mit diesen Tastenkombinationen:

Mac: Option + Leertaste

Windows: Strg. + Shift + Leertaste

Symbolisiert wird es übrigens mit einem kleinen hochgestellten Kreis.

Beispieltext, um zu zeigen, wie das geschützte Leerzeichen funktioniert

Übrigens können Screenreader und ähnliche Softwareprogramme Probleme bekommen, wenn sie die zusammengeschriebenen Zeichen nicht auseinanderhalten können; dann spucken sie nur Kauderwelsch aus.

Also mach dir die Mühe und achte darauf, dass du das kleine, nicht sichtbare Leerzeichen korrekt verwendest, es ist auch ein Zeichen von Professionalität.

Mehr zum Thema Typografie liest du übrigens hier.

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Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

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