Sicher, langweilig will niemand schreiben. Aber Vorsicht: Schnell gerät der Autor auf die schiefe Bahn und schießt in vollem Karacho weit über das Ziel hinaus. Und schief trifft es ziemlich genau, denn schiefe Sprachbilder gehören zu meinem Alltag. So forderte jüngst eine Autorin ihre Leser auf, „gemeinsam in meinen Lebensweg einzutauchen“. Der Versuch würde wohl recht schmerzhaft enden, aber das Sprachbild schmerzt bereits ausreichend.

Auch interessant ist dieses Bild: „Das Leben ist ein Fluss, der ständig voranschreitet.“ Voranschreiten kann jedoch nur der Autor dieser Zeilen, der bei dem Versuch aber heftig ins Stolpern kommt.

Makaber wird es bei dem Ich-Erzähler, der einsam auf einem Hügel sitzt, nachdem ein geliebter Mensch sich selbst mit seiner Pistole gerichtet hat: „Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf.“

Wieder ein anderer Autor, unterwegs im Fitness-Bereich, war sehr angetan von seinem Körper und seiner „unheilbaren Gesundheit“. Nein, das war keine Anspielung auf das ironische Lied von Georg Kreisler, sondern ein besonders prächtiger Knoten in den Gedanken.

Was in den genannten Beispielen nicht stimmt, ist offensichtlich. In einen Weg kann man nicht tauchen, der Fluss schreitet nicht, unheilbar sind nur Krankheiten, die Gesundheit ist (mit sehr viel Glück) unzerstörbar und ein Gedanke kann nicht schießen, auch wenn man das letzte Bild an einem passenden Platz unterbringen könnte.

Es gibt aber immer wieder Kleinigkeiten, die nicht so offensichtlich ins Auge springen. Regelmäßig geschieht dies, wenn Dingen (menschliche) Fähigkeiten zugeschrieben werden, die diese nicht besitzen können. Wenn eine Tür keine Kunden hindurchlässt, geschieht das höchstens im Bereich der Fantasie, und natürlich tötet der Baum nicht den Raser, der gegen ihn knallt.

Schiefe Sprachbilder vermeiden

Wie du schiefe Sprachbilder vermeiden kannst? Zunächst solltest du Metaphern und Sprachbilder nur sparsam einsetzen, allzu viele ermüden den Leser allzu schnell. Die Stellen, die übrig bleiben, musst du genau überprüfen: Komm ich von der Traufe in den Regen? Habe ich Steine im Getriebe? Sollte ich wirklich mit Gläsern im Steinhaus werfen?

Wichtig ist zudem, nicht verschiedene Bereiche zu vermischen. Mit Volldampf (Eisenbahn) solltest du nicht auf einen Parkplatz fahren (Auto). Es klingt auch unfreiwillig komisch, wenn der Fischer zukünftig kleinere Brötchen backen muss oder der Autokonzern zurückrudert.

Achte auf treffende idiomatische Wendungen. Das bedeutet, dass feste Wortverbindungen einen stehenden Ausdruck bilden. So stürzt sich Peter ins Unglück, er fällt nicht hinein. Und er hat einen Frosch im Hals, nicht in der Kehle.

Eng verbunden mit der Idiomatik sind korrekte Kollokationen. Was das nun wieder ist? Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass Wörter auch wirklich zusammenpassen müssen. So funktioniert eine Kombination aus den Wörtern tief und Brunnen („der tiefe Brunnen“), aber nicht tief und Haus („das tiefe Haus“). Manche Kombinationen sind kniffliger, so stößt du auf Verständnis, du triffst nicht darauf. Aber du stößt nicht auf Zustimmung, diese findest du nur.

Schiefe Sprachbilder bewusst verwenden

Schiefe Sprachbilder haben aber auch durchaus ihre Berechtigung, wenn du sie bewusst einsetzt und es auch deutlich wird, dass du das im vollen Bewusstsein tust. Wenn du schreibst „Der frühe Vogel kann mich mal“, ist jedem klar, dass du den ursprünglichen Satz kennst und ihn bewusst abwandelst.

Ein weiteres Beispiel: „Er ist nicht völlig durchgeknallt, aber er hat von Tag zu Tag weniger Latten am Zaun.“ Die korrekte idiomatische Wendung wäre „Er hat nicht alle Latten am Zaun“, doch der Verfasser macht deutlich, dass ihm die Verfremdung bewusst ist. Und so funktioniert der Satz auch.

Wenn du alles oben beachtest, kannst du also getrost in den Sonnenuntergang preschen mit einem lustigen Lied auf der Zunge. Oder so ähnlich.

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