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Stephen King: Fairytale

20.02.23 | Bücher-Ecke

Eines vorweg: Ich bin kein Fantasy-Fan und auch mit Stephen King kenne ich mich nicht aus. Ich habe zwar vor Kurzem sein autobiografisches Buch Über das Leben und das Schreiben gelesen, aber Fairytale war mein erster Roman von ihm.

Mich haben die Herr-der-Ringe-Filme tödlich gelangweilt und Harry Potter konnte mich nicht aus dem Sessel reißen, weder die Bücher noch die Filme. Ich bin also in Sachen Fantasy ein schlimmer Ignorant.

Stephen King schreibt fesselnd, keine Frage, er beherrscht die großartige Kunst, Page-Turner zu verfassen. So kam ich , trotz aller folgenden Mäkeleien, fast nie in Versuchung, das Buch in die Ecke zu pfeffern.

300 Seiten Vorlauf

Bis die Geschichte so richtig losgeht, braucht es schon 300 Seiten. Die Einführung (fast ohne Fantasy-Elemente) ist interessant, wir erfahren etwas von unserem Helden Charlie Reade (ja, haha, eine Anspielung, dass der Junge viel liest …), ein 17-jähriger Schüler und Halb-Waise. Er kümmert sich um einen hilflosen älteren Herrn und dessen Hund und bemerkt, dass auf dem Grundstück und in dem Haus des Mannes einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.

Dann taucht er in die Fantasy-Welt im wahrsten Sinne des Wortes hinab, eine Welt namens Empis, die von finsteren Kräften beherrscht wird. Charlie stellt sich als der Erlöser heraus, der seit Langem prophezeit wurde, und muss nun die bösen Mächte bekämpfen und besiegen.

Auch in dieser Welt zieht sich die Geschichte manchmal lang wie Kaugummi, seitenweise erzählt King, wie Charlie in Empis durch die engen Gassen wandert, um zum Schloss zu kommen. Er geht links, dann rechts, die Gassen sind eng, dann wieder links, die Gasse ist noch enger und so weiter und so fort. Und das Ganze wiederholt sich wieder im Schloss und dann noch einmal und noch einmal … uff! King hätte locker alles um die Hälfte kürzen können, es wäre kein Verlust gewesen.

Kein Stephen-King-Fan

Er bemüht immer wieder Analogien zu Märchen wie Rumpelstilzchen, Rotkäppchen oder Alice im Wunderland – der Titel ist nicht umsonst gewählt. Die Idee ist gut, aber ich möchte als Leser nicht zweimal pro Seite direkt mit der Nase darauf gestoßen werden: „Das kam mir wieder vor wie bei Rumpelstilzchen“ – ja, inzwischen hab’ auch ich es geschnallt! Verschenktes Potential.

Die verschiedenen Figuren, die eingeführt werden in der Fantasie-Welt, wirken seltsam uninspiriert, teilweise klischeehaft. Und das Schlimmste: Charlie ist kein Held, mit dem man mitfiebern mag. Ein 17-jähriger altkluger Naseweis, Sportskanone dazu – das macht ihn wirklich nicht sympathisch.

Fazit: Das Buch hat mich zugleich fasziniert wie gelangweilt. Zum King-Fan bin ich dadurch nicht geworden und auch nicht zum Fantasy-Fan. Da widme ich mich doch lieber wieder Themen und Genres, die mich wirklich interessieren.

88 Seiten, Heyne 2022, 28 Euro

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