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Groß- oder Kleinschreibung

03.01.22 | Rechtschreibung

Groß oder klein, das ist immer wieder die Frage, und sehr viele Fehler im Alltag betreffen gerade diesen Punkt. Sehr häufig schaue ich im Duden nach und schlage mir an den Kopf und denke zu recht, nein, zu Recht: „Das kannst du dir doch jetzt endlich mal merken!“ Im Folgenden (großgeschrieben, da Substantiv) lest ihr zehn Beispiele für mehr oder weniger knifflige Fälle der Groß- bzw. Kleinschreibung.

1. Herzlich willkommen!

Ein Klassiker der beliebten Fehler! Willkommen ist ein Adjektiv und wird kleingeschrieben. Anders sieht es aus bei der Wendung „Wir bereiten ihm ein herzliches Willkommen“. Hier ist Willkommen ein Substantiv – und wird großgeschrieben.

2. Feststehende Begriffe

Heißt es künstliche Intelligenz oder doch Künstliche Intelligenz? Künstlich ist doch ein Adjektiv, muss also kleingeschrieben werden! Könnte man meinen, es gibt aber Ausnahmen. Sobald ein Begriff den Status eines feststehenden Begriffs bekommt, wird das dazugehörige Adjektiv großgeschrieben. Klar ist das zum Beispiel bei Organisationen: das Rote Kreuz, die Vereinten Nationen. Wenn ich aber auf einen Zettel ein Kreuz rot anmale, dann spreche ich nur vom roten Kreuz – mein rotes Kreuz ist schließlich nur ein beliebiges Gekritzel im Vergleich zur weltumspannenden Organisation. Die Künstliche Intelligenz wurde vor 30 Jahren sicher noch durchgehend kleingeschrieben, hat jedoch in den letzten Jahren einen Bedeutungswandel hingelegt, sodass sie in aller Munde ist und inzwischen ein feststehender Begriff und eher großgeschrieben wird. Der Duden allerdings empfiehlt (bislang) weiterhin die Kleinschreibung. Im Zweifelsfall gilt: nachschlagen oder auch googeln (aber mit Vorsicht!).

3. Superlative

Ebenfalls ein beliebter Fehler bei diesem Satz: „Am besten gehen wir jetzt los.“ Oder doch „am Besten“? Nein, denn am besten ist der Superlativ von gut: gut – besser – am besten. Am besten ist also ein Adjektiv, genauso wie am tollsten, am schlimmsten oder am wunderbarsten.

4. deutsch/Deutsch

Wenn bestimmte Personen „Deutsch“ immer großschreiben, beherrschen sie nicht die deutsche Sprache. Natürlich wird deutsch kleingeschrieben, wenn es sich um ein Adjektiv handelt: das deutsche Recht, der deutsche Wald, die deutsche Grenze. Die Deutsche Bahn hingegen ist ein feststehender Begriff bzw. eine Firmenbezeichnung, siehe oben. Präpositionen weisen auf Substantive und somit Großschreibung hin: auf gut Deutsch gesagt, im Deutschen sagt man, zu Deutsch ... Sowohl Groß- als auch Kleinschreibung sind hier erlaubt: Ich spreche deutsch/Deutsch mit ihm. Hier funktioniert sowohl der Gebrauch als Adjektiv (Wie spreche ich mit ihm? deutsch) als auch als Substantiv (Was spreche ich mit ihm? Deutsch). Der Duden empfiehlt allerdings die Kleinschreibung.

5. Substantivierte Verben

Hier kann ich auf einen älteren Artikel verweisen: Link.

6. Morgen/morgens – Abend/abends

Ich gehe morgens aus dem Haus. Ich gehe heute Morgen aus dem Haus. Guten Abend! Ich sehe abends die Nachrichten. Schon verwirrend, aber im Grunde logisch: Entweder ist von dem Morgen die Rede, also einem Substantiv, denn man kann einen Artikel davorstellen. Genauso: der gute Abend. Kann kein Artikel verwendet werden, haben wir ein Adverb. Also wie in den Beispielen eins und vier. Übrigens: Das Wörtchen „früh“ fällt aus der Reihe. Der Duden empfiehlt die Kleinschreibung, auch bei der Wendung „heute früh“. Im Süddeutschen hingegen ist auch „heute Früh“ gebräuchlich. In der Frühe hingegen wird eindeutig großgeschrieben.

7. Die anderen

Die anderen gehen voraus. Hier weist „die anderen“ alle Eigenschaften eines Substantivs auf, wird aber trotzdem kleingeschrieben. Dies ist in der Regel bei allen Zahladjektiven wie andere, viel, wenig, der eine … der andere der Fall. Ausnahmsweise kann man die Wörter auch als Substantiv behandeln und großschreiben, wenn sie besonders betont werden sollen: Das ist doch etwas völlig Anderes!

8. Hunderte/hunderte

Bei hunderte/Hunderte und ähnlichen Zahlwörtern müsst ihr euch zunächst darüber klar werden, ob die Mengenangabe bestimmt oder unbestimmt ist. Bestimmt ist sie zum Beispiel hier:
Auf hundert beschleunigen.
Bis tausend zählen.
Ich habe hundert Millionen.
Hier wird das Zahlwort immer kleingeschrieben. Ist das Zahlwort aber unbestimmt, sind sowohl Groß- wie auch Kleinschreibung möglich.
Einige Hundert/hundert Demonstranten.
Er hat Tausende/tausende Follower.
Er hat Hunderte/hunderte Euro verdient.
Der Duden empfiehlt die Großschreibung.

9. Recht/recht

Seufz! Bei der Frage, ob ich recht oder
Recht habe, muss ich immer wieder den Duden zu Rate ziehen. Kleinschreibung liegt vor, wenn recht als Adjektiv oder adverbiale Bestimmung erscheint: der rechte Winkel, die rechte Hand. Das geschieht ihm recht. Gehe ich recht in der Annahme, dass …
Wenn das Recht als Substantiv gebraucht wird, dann wird es natürlich großgeschrieben: mit Fug und Recht, auf sein Recht pochen, zu Recht hat er verloren.
Und dann gibt es auch wieder das Sowohl-als-auch, bei dem der Duden aber immer die Kleinschreibung empfiehlt: recht/Recht haben, recht/Recht bekommen, recht/Recht geben.

10. im Voraus

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, wenn ihr weitere Beispiele habt, gerne in die Kommentare schreiben! Dafür bedanke ich mich im Voraus, und zwar großgeschrieben. Die Präposition „im“ verdeutlicht die Substantivierung. Aber: Er läuft voraus. Hier ist „voraus“ ein Adverb.

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