Logo textbauer rote Schrift und Stift

So wird der Gedankenstrich richtig angewandt

02.03.21 | Rechtschreibung, Schreibtipps

Um den Gedankenstrich machen sich nur wenige Gedanken. Viele wissen nicht einmal, wie er aussieht, verwenden sie doch den Bindestrich jedes Mal, wenn sie eben einen Strich benötigen. Typografisch gesehen ist der Gedankenstrich aber länger und dünner als der Bindestrich. Man nennt ihn auch Halbgeviertstrich, das Geviert ist eine Maßeinheit aus der Zeit des Bleisatzes, die Strichlängen und Abstände bestimmt. Dass er so selten korrekt angewendet wird, liegt auch daran, dass er auf der Tastatur nur aufwendig zu finden ist. Einen Überblick über die verschiedenen Tasten-Kombinationen gibt es hier.

Der Gedankenstrich gliedert

Sinn und Zweck der beiden Striche ist grundverschieden: Der Bindestrich verbindet (ja-ha!) und der Gedankenstrich gliedert und trennt. Anstelle der Gedankenstriche können auch Kommas oder Klammern gesetzt werden. Sinnvoll eingesetzt, strukturieren sie lange Sätze und betonen bestimmt Satzteile.

Radfahren ist – bei Regen und bei Sonnenschein – sehr gesund.

Für den besseren Lesefluss könnte man hier den Einschub auch ans Ende stellen, der zweite Gedankenstrich entfällt hier natürlich (während bei Einklammerung eine zweite Klammer gesetzt werden muss):

Radfahren ist sehr gesund – bei Regen und bei Sonnenschein.

Zwingend sind die Leerzeichen vor und nach dem Gedankenstrich. Es sei denn, der Satz benötigt noch ein Satzzeichen wie ein Komma oder einen Doppelpunkt, dieser schließt direkt an den Gedankenstrich an:

Radfahren ist sehr gesund – bei Regen und bei Sonnenschein –, aber auch gefährlich.

Wenn im Einschub noch ein Nebensatz untergebracht wird, dann wird der durch ein Komma eingeleitet, endet aber mit dem Gedankenstrich:

Radfahren ist – auch bei Regen, der dieses Jahr sehr häufig fällt – sehr gesund.

Achtung bei Zeilenumbrüchen!

Typografisch ist übrigens beim Gedankenstrich noch zu beachten, ob er bei einem Zeilenumbruch gesetzt wird. Bei Einschüben muss der erste Strich am Anfang der Zeile stehen und darf nicht am Ende stehen. Der beendende Gedankenstrich wiederum muss am Ende der Zeile stehen:

So nicht: Radfahren ist sehr gesund – bei Regen und bei Sonnenschein –,

aber auch sehr gefährlich.

Aber so: Radfahren ist sehr gesund – bei Regen und bei Sonnenschein –, aber auch sehr gefährlich.

Wenn der Satz nicht weitergeführt wird, ist es genau umgekehrt: Hier muss der Gedankenstrich auf der oberen Zeile stehen.

So nicht: Radfahren ist sehr gesund

– ob bei Regen oder bei Sonnenschein.

Aber so: Radfahren ist sehr gesund –

ob bei Regen oder bei Sonnenschein.

Sie haben eine konkrete Frage – oder ein größeres Textprojekt?

Einzelne Zweifelsfälle lassen sich oft in wenigen Minuten klären.
Wenn es um mehr geht – Struktur, Stil, Stringenz oder eine gründliche Schlussredaktion –, begleite ich Sie auch bei umfangreicheren Texten.

In meiner Online-Sprechstunde besprechen wir Ihr Anliegen direkt und konkret.

Sie gelangen direkt zur Buchungsseite.

Alternativ: Schreiben Sie mir eine kurze Nachricht mit ein paar Angaben zu Ihrem Projekt.

Über den Autor

Ich bin Ulf Schumann, freiberuflicher Lektor und Schlussredakteur aus Berlin, und unterstütze Unternehmen, Stiftungen und Selbstständige dabei, Texte klar, verständlich und professionell zu veröffentlichen – online wie im Print.

Ich arbeite an Blogartikeln, Websites, Berichten und Publikationen, bei denen es nicht nur auf korrekte Rechtschreibung, sondern auf Struktur, Tonalität und Lesbarkeit ankommt. Mein Fokus: Texte, die ernst genommen werden und ihre Zielgruppe erreichen.

Adjektive streichen (bis auf die wichtigen)!

Zu viele Adjektive machen Texte nicht stärker, sondern oft schwächer. Warum weniger oft mehr ist – mit Beispielen aus dem Lektoratsalltag.

Show, don’t tell – aber in Maßen

Show, don’t tell einfach erklärt: Mit Beispielen, typischen Fehlern und Tipps, wann die Regel sinnvoll ist – und wann nicht.

Parataxe oder Hypotaxe?

Parataxe oder Hypotaxe? Erfahre den Unterschied zwischen kurzen und verschachtelten Sätzen – mit Beispielen und Tipps für bessere Texte.

Das Prozentzeichen richtig anwenden

Prozentzeichen richtig anwenden: Regeln zur Schreibweise, zum Leerzeichen im Fließtext und zu typischen Fehlern einfach erklärt.

Die Hyperbel als Stilmittel

Die Hyperbel als Stilmittel: Definition, Wirkung und Beispiele. Erfahre, wie bewusste Übertreibung Texte lebendiger macht.

Der Apostroph

Wann braucht man im Deutschen einen Apostroph – und wann ganz sicher nicht? Mit vielen Beispielen, typografischen Tipps und typischen Fehlern einfach erklärt.

Das Leerzeichen

Doppelte und fehlende Leerzeichen: Dieser Beitrag zeigt, wie du typische Leerzeichenfehler erkennst und professionell vermeidest.

Kunst des Weglassens: Die Ellipse

Ellipse einfach erklärt: Bedeutung, Beispiele und Wirkung des stilistischen Mittels der Satzverkürzung in der deutschen Sprache.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Einmal im Monat ein genauer Blick auf Sprache

Mein Newsletter.

Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen: Texte, typische Fehler – und meinen Alltag als Lektor.

Du hast dich erfolgreich eingetragen. Du erhältst eine Bestätigungs-Mail (ggf. im Spam nachschauen)!